{"id":568,"date":"2020-12-31T22:53:32","date_gmt":"2020-12-31T22:53:32","guid":{"rendered":"http:\/\/jg-celle.de\/?page_id=568"},"modified":"2020-12-31T22:55:39","modified_gmt":"2020-12-31T22:55:39","slug":"geschichte-der-juden-in-celle","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jg-celle.de\/?page_id=568","title":{"rendered":"Geschichte der Juden in Celle"},"content":{"rendered":"\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><strong>Beginn<\/strong><\/h6>\n\n\n\n<p>Von den ehemals 140 nieders\u00e4chsischen Synagogen, die vor 1933 existierten, sind heute nur noch ungef\u00e4hr 40 als Geb\u00e4ude erhalten. Zwei davon werden als Gedenkst\u00e4tte und Museum genutzt. Zu diesen z\u00e4hlt die circa 250 Jahre alte Celler Synagoge Im Kreise 24, die seit kurzem auch wieder ihrer urspr\u00fcnglichen Bestimmung dient: Seit 1997 ist sie das Gotteshaus der Neuen J\u00fcdischen Gemeinde Celle. Zwischen 1676 und 1691 erhielten f\u00fcnf Schutzjuden mit ihren Familien und Gesinde die herzogliche Erlaubnis, sich in der Altenceller Vorstadt (Blumlage und Im Kreise) niederzulassen. 1690 richteten diese Familien, die aus ungef\u00e4hr 30 Personen bestanden, in einem Hinterhaus auf der Blumlage einen ersten Betsaal ein. Schon drei Jahre sp\u00e4ter wurde er auf Anordnung des Burgvogts zerst\u00f6rt, weil keine obrigkeitliche Genehmigung eingeholt worden war. Als dann die herzogliche Genehmigung erteilt worden war, kam es zur Wiedereinrichtung eines Betsaales in dem Privathaus des Isaac Maintz. Die genaue Lage dieses Hauses ist nicht bekannt.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><strong>J\u00fcdischer Friedhof<\/strong><\/h6>\n\n\n\n<p>Nicht in der Bluml\u00e4ger Vorstadt, sondern rund vier Kilometer entfernt n\u00f6rdlich der Aller wurde der j\u00fcdischen Gemeinde 1692 ein Friedhof zugewiesen. Hier, an der heutigen Stra\u00dfe Am Berge, dokumentieren noch erhaltene Grabsteine Beisetzungen von 1705 bis 1953. Nach dem Entwurf des Architekten Otto Haesler lie\u00df die j\u00fcdische Gemeinde 1910 dort eine Friedhofshalle errichten, die 1974 wegen Bauf\u00e4lligkeit abgerissen wurde.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><strong>Synagoge<\/strong><\/h6>\n\n\n\n<p>Erst 1737 erhielten die Juden im F\u00fcrstentum L\u00fcneburg die Erlaubnis Synagogen zu bauen. 1738 erwarb die \u201eJudenschaft Celle\u201c die beiden Grundst\u00fccke Im Kreise 23 und 24 und errichtete als Hinterhaus dazu um 1740 eine Synagoge, einen von au\u00dfen schlichten Fachwerkbau, dessen Innenraum man im Stile des Sp\u00e4tbarock repr\u00e4sentativ ausgestaltete. Die beiden Vorderh\u00e4user wurden als j\u00fcdisches Schulhaus (Nr. 24) und als Wohnungen (Nr. 23 und Nr. 24) f\u00fcr verschiedene Gemeindebedienstete genutzt. Aus der Gr\u00fcndungszeit stammt der Opferstock mit der Inschrift \u201eAron, Sohn des Rabbiners Josua Feibelman selig sein Andenken. In Celle 1740\u201c. Diese Inschrift ist eine der wenigen Anhaltspunkte f\u00fcr das Alter der Synagoge. Der Bau der Synagoge erforderte eine hohe Verschuldung der Celler j\u00fcdischen Gemeinde. Erst das Testament des Hoffaktors Isaak Jakob Gans aus dem Jahre 1797 sicherte die langfristige Tilgung des Kredits. Schon 1765 hatte Gans der Celler Synagogengemeinde zum Andenken an seinen Vater Jacob Gans eine kostbare Stiftung \u00fcbereignet: Ein Paar Rimonim (Thorakronen) und ein Tass (Thoraschild), heute Collection Jewish Historical Museum Amsterdam. \u00dcber einen Zeitraum von fast 150 Jahren gibt es keinen Hinweis f\u00fcr bauliche Ver\u00e4nderungen am Geb\u00e4ude der Celler Synagoge. Erst 1883 erfolgte eine umfangreiche Renovierung: Erweiterung der Frauenempore entlang der Westseite des Synagogenraums, Bleiverglasung der Fenster mit farbigen Scheiben und \u00dcberarbeitung der Ausmalung des Innenraums. Am Vorabend des j\u00fcdischen Neujahrsfestes 1883, dem 30. September, wurde der Umbau feierlich eingeweiht. Das sp\u00e4te 19. Jahrhundert wie die zweite H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts war eine Bl\u00fctezeit der j\u00fcdischen Gemeinde, die circa 110 Personen umfasste. Bis 1933 (70 Personen) nahm die Zahl der Celler Juden stetig ab. Im Januar 1939 lebten 35 und im Oktober desselben Jahres nur noch 15 Personen j\u00fcdischen Glaubens in Celle.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>NS Zeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Einrichtung der Celler Synagoge mit \u00c4xten zerschlagen, die zw\u00f6lf Thorarollen, die Kultgegenst\u00e4nde und die Gemeindeb\u00fccherei auf die Stra\u00dfe geworfen. Das Geb\u00e4ude durch Feuer zu zerst\u00f6ren, wurde nur unterlassen, weil dadurch die umliegenden H\u00e4user in Mitleidenschaft gezogen worden w\u00e4ren. Ab 1942 diente das alte j\u00fcdische Schulhaus Im Kreise 24 als \u201eCeller Judenhaus\u201c. Auf engstem Raum wurden hier die Menschen unter totaler \u00dcberwachung bis zur ihrer Deportation in die Vernichtungslager untergebracht. Von hier aus wurde zum Beispiel das Ehepaar Oscar und Nanny Salomon im Juli 1943 nach Auschwitz deportiert. Auch Juden aus anderen Orten des Regierungsbezirks L\u00fcneburg mussten hier die Zeit vor ihrer Deportation verbringen. Im Vorraum der Synagoge befinden sich Gedenktafeln, die emigrierte Mitglieder der ehemaligen j\u00fcdischen Gemeinde in Celle f\u00fcr ihre in den Vernichtungslagern umgekommenen Verwandten gestiftet haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Neubeginn<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach Ende des 2. Weltkrieges und der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen lebten im Mai 1945 in der Celler Heidekaserne ungef\u00e4hr 1000 j\u00fcdische sogenannte displaced persons. Die Milit\u00e4rregierung beschlagnahmte die Geb\u00e4ude der j\u00fcdischen Vorkriegsgemeinde Im Kreise 23\/24 mit der Synagoge, das Haus Nr. 25 und den J\u00fcdischen Friedhof Am Berge f\u00fcr die neu entstandene j\u00fcdische Gemeinde mit ihren Einrichtungen und f\u00fcr verschiedene j\u00fcdische Hilfsorganisationen. Im Hinterhof der Synagoge wurde 1945 eine Mikwe (Ritualbad) gebaut, die 1972\/73 wegen Bauf\u00e4lligkeit abgerissen wurde. Viele der <em>Displaced<\/em> <em>Persons<\/em> j\u00fcdischen Glaubens in Celle stammten aus osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern, ein gro\u00dfer Teil kam aber auch aus dem Deutschen Reich (40%). Sie warteten hier auf ihre Auswanderung nach Pal\u00e4stina, in die USA und andere L\u00e4nder oder auf die R\u00fcckkehr in ihre Heimat. Der Rabbiner der Nachkriegsgemeinde, Mosche Olewski, emigrierte 1950 in die USA. Die kleine Celler Restgemeinde war dem Landesverband der j\u00fcdischen Gemeinden in Niedersachsen angeschlossen und besuchte dann den Gottesdienst in der hannoverschen Synagoge. Das Jahr der Gemeindeaufl\u00f6sung ist nicht bekannt, 1967 wird sie letztmalig erw\u00e4hnt. Heute gilt die Celler Synagoge als die \u00e4lteste nieders\u00e4chsische Fachwerksynagoge, die in ihren wesentlichen Bauteilen noch erhalten ist. Die heutige Einrichtung der Synagoge, z. B. das h\u00f6lzerne Podest vor dem Thoraschrein und das Lesepult f\u00fcr die Thorarolle (Bima), entstammt der Zeit nach 1945. Eine umfassende Renovierung erfolgte 1973\/74 durch die Stadt Celle, die das Geb\u00e4ude 1969 erworben hatte. Am 20. Juni 1974 wurde die Celler Synagoge durch den Heidelberger Rabbiner Dr. Nathan Peter Levinson neu geweiht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beginn Von den ehemals 140 nieders\u00e4chsischen Synagogen, die vor 1933 existierten, sind heute nur noch ungef\u00e4hr 40 als Geb\u00e4ude erhalten. Zwei davon werden als Gedenkst\u00e4tte und Museum genutzt. Zu diesen z\u00e4hlt die circa 250 Jahre alte Celler Synagoge Im Kreise 24, die seit kurzem auch wieder ihrer urspr\u00fcnglichen Bestimmung dient: Seit 1997 ist sie das Gotteshaus der Neuen J\u00fcdischen Gemeinde Celle. Zwischen 1676 und 1691 erhielten f\u00fcnf Schutzjuden mit ihren Familien und Gesinde die herzogliche Erlaubnis, sich in der Altenceller Vorstadt (Blumlage und Im Kreise) niederzulassen. 1690 richteten diese Familien, die aus ungef\u00e4hr 30 Personen bestanden, in einem Hinterhaus auf der Blumlage einen ersten Betsaal ein. 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